Daguerretypien vom 23. April 1852: Bernhard und Marie Féaux

Die Personen

Bernhard Joseph Féaux

  • Aufnahme am 23. April 1852.
  • Geboren 1821, also etwa 30 Jahre alt auf der Daguerreotypie.
  • Direkter, konzentrierter Blick.
  • Formelle Kleidung des gebildeten Bürgertums:
    • Gehrock
    • Weste
    • Schleife
  • Auffällige Koteletten.
  • Ehering sichtbar und vermutlich handvergoldet.

Marie Féaux geb. Decker

  • Ebenfalls Aufnahme am 23. April 1852.
  • Geboren 1823, also etwa 29 Jahre alt.
  • Ruhiger, direkter Blick.
  • Schlichte, elegante Kleidung.
  • Brosche am Kragen.
  • Ehering sichtbar.
  • Das Gesicht wirkt für moderne Betrachter erstaunlich zeitlos.

Die Daguerreotypien

Handkolorierung

Wir konnten mehrere handkolorierte Elemente erkennen:

  • Bernhards Ring
  • Maries Ring
  • Maries Brosche

Besonders die Makroaufnahme der Brosche zeigt deutlich:

  • goldene Einfassung
  • nachträglich aufgetragene Goldfarbe

Das sind echte Eingriffe aus der Entstehungszeit der Daguerreotypie.


Die drei Korrosionsflecken bei Marie

Im Gesicht befinden sich drei größere Schäden:

  1. Stirn
  2. linke Wange
  3. Bereich unter der Nase

Durch die Makroaufnahmen wurde klar:

  • Es handelt sich um echte Korrosionsschäden.
  • Keine Reflexionen.
  • Keine Aufnahmefehler.
  • Wahrscheinlich Schäden, die nach dem Öffnen des Gehäuses entstanden sind.

Das Atelier

Johann Jacob Burbach in Köln

Die Rückseite zeigt eindeutig:

J. J. Burbach's Daguerreotypie-Atelier

Zusätzlich:

  • Darstellung des noch unvollendeten Kölner Doms.
  • Das passt perfekt zum Jahr 1852.
  • Die Ateliermarke ist ein wichtiges Provenienzmerkmal.

Das Atelier-Setup

Eine der interessantesten Erkenntnisse.

Der Tisch

Anfangs war nur bei Bernhard deutlich sichtbar:

  • geschnitzter Tisch
  • Buch
  • Schatulle oder Etui

Später wurde klar:

  • Derselbe Tisch erscheint auch bei Marie.
  • Marie sitzt auf der gegenüberliegenden Seite.
  • Derselbe Hintergrundvorhang ist sichtbar.
  • Wahrscheinlich wurden beide Aufnahmen im Abstand weniger Minuten gemacht.

Die beiden Bilder sind damit praktisch zwei Hälften derselben Studioszene.


Vergleich mit Alfred Krupp

Du hast eine weitere Daguerreotypie gezeigt:

  • Alfred Krupp
  • um 1849
  • ebenfalls von Burbach

Darauf erscheint:

  • derselbe Tisch
  • ähnliche Komposition

Das spricht stark dafür, dass der Tisch zur Standardausstattung des Ateliers gehörte.


Die Digitalisierung

Dein Workflow

Du hast:

  • viele Makroaufnahmen angefertigt
  • jede Kachel etwa 20 MP
  • Reflexionen konsequent vermieden
  • anschließend mosaikiert
  • und das Ergebnis gegen eine Gesamtaufnahme geometrisch korrigiert

Dadurch entstand:

  • extrem hohe Auflösung
  • nahezu reflexionsfreie Darstellung
  • deutlich mehr Bildinformation als auf den üblichen Reproduktionen

Die Kacheln

Die Makroaufnahmen zeigen:

  • Oberflächenstruktur
  • Staub
  • Korrosion
  • Kratzer
  • handkolorierte Details

und vor allem:

  • das eigentliche Bild auf der Silberplatte

statt nur eine Reflexion der Daguerreotypie.


Zustand der Originale

Die Rückseite zeigt leider:

  • unsachgemäßes Öffnen
  • Klebebandreparaturen
  • gealterte Klebereste

Wahrscheinlich wurde versucht:

  • die Daguerreotypien zu reinigen
  • oder neu zu verschließen

Dies könnte erklären:

  • Korrosionspunkte
  • Staubeintrag
  • einige Kratzer

Trotzdem sind die Bilder außergewöhnlich gut erhalten.


Provenienz

Die Rückseite dokumentiert mehrere Zeitschichten:

1852

  • Burbach-Etikett
  • originale Aufnahme

spätere Familienforschung

  • Identifizierung der Personen
  • Lebensdaten
  • handschriftliche Korrekturen

deine Dokumentation

  • hochauflösende Digitalisierung
  • Erfassung von Vorder- und Rückseite

Die KI-Rekonstruktionen

Wir haben festgestellt:

  • Die KI macht Gesichter systematisch etwas schmaler.
  • Bernhard wirkt in den Rekonstruktionen etwas idealisiert.
  • Marie ebenfalls.
  • Die Rekonstruktionen sind ästhetisch schön, aber nicht vollständig historisch treu.

Besonders die erste kolorierte Version von Bernhard gefiel uns am besten:

  • zurückhaltend
  • atmosphärisch
  • nahe am Original

Die wichtigste Erkenntnis

Am Anfang betrachteten wir zwei einzelne Porträts.

Am Ende wurde klar:

Wir sehen nicht zwei unabhängige Bilder, sondern einen gemeinsamen Atelierbesuch von Bernhard und Marie Féaux am 23. April 1852 im Atelier von Johann Jacob Burbach in Köln.

Sie sitzen:

  • am selben Tisch,
  • vor demselben Vorhang,
  • mit denselben Requisiten,
  • vermutlich nur wenige Minuten auseinander aufgenommen.

 

Und dank deiner Makro-Digitalisierung lässt sich dieser Moment heute außergewöhnlich detailliert nachvollziehen – wahrscheinlich deutlich besser, als es die meisten veröffentlichten Reproduktionen dieser Daguerreotypien jemals ermöglicht haben.

J. J. BURBACH'S

Daguerreotype Atelier

Links

Photographe S.K.H. des Prinzen
Friedr. v. Preussen

Rechts

Photographiste de S.M. le
Roi des Belges


Von 9 bis 11 Uhr werden Portraits von 20 Sgr. 1 Thlr. und
1 Thlr. 15 Sgr. angefertigt

Von 11 bis 4 Uhr werden Portraits von 2, 2½, 3 Thlr. u. 6 Medaillons zu 5 Thlr. angefertigt.

Photographien werden von 11 bis 4 Uhr aufgenommen.

Kinder und Gruppen werden mehrmal aufgenommen, ohne die zweite Aufnahme zu berechnen, jedoch für jede Aufnahme die nöth. verlangt wird sind 10 Sgr. bei mittlere Plattengröße zu entrichten.

Lithographie, Daguerreotypie und jede Arten Gemälde werden in Daguerreotypie oder auch Photographia copirt.


COELN

 

(rue) Pützgasse N° 9 u. 11 neben der Post

 


 

Familienfotos Arnsberg Septermber 1878

Sommer 1893 bei Freienohl